Eine kleine Statistik

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Bacchusbräu Bacharach

Eingestellt am: 12.04.2011 von Andre Linke

Mit meiner mich liebenden Ehegattin war ich im Welterbe Oberes Mittelrheintal unterwegs und dabei haben wir den alten und sehr netten Ort Bacharach entdeckt. Dieser ist wirklich mal eine Reise wert, nicht zuletzt auch wegen dem Rhein-Theater, das neben dem sich auf dem ersten Blick dahinter verbergenden Variete in allerlei Vielfalt auch über eine kleine, aber feine Gastronomie verfügt. Der Biergarten nennt sich dann passenderweise Rhein-Terasse und besteht aus einem alten Kinderkarussell, bei dem die Reit-Figuren einfach weggelassen und durch verschiedene Sitzgruppen ersetzt wurden. Das Ambiente war trotz des unweit schlafenden und schnarchenden Chefs in der ältesten Hollywood-Schaukel zwischen Loreley und Basel einfach nur topp. Zwei Dinge sind da noch: 1. es war an diesem Tag Lauben-Flohmarkt. Hört sich spektakulär an, war es jedoch nicht ganz. Da war nur eine Laube und auch nur ein bescheidener Markt, aber sympathisch war es trotzdem. 2. Das Rheintheater beherbergt auch eine Kleinbrauerei, den Bacchusbräu, der natürlich auch ein eigenes Weizen braut. 1.) war der Grund für meine Frau, 2.) der für mich, den Ortsrand von Bacharach aufzusuchen.

Nochmal kurz zu Ambiente und Wetter: Beides war geradezu kaiserlich und machte den Test vielleicht nicht ganz frei von positiv fördernden Umständen. Eine Empfehlung spreche ich für die Rheinterasse aber für jeden Leser jetzt schon aus. Denn neben dem Weizen werden auch noch drei andere Biere gebraut, darunter gar ein Doppelbock.

Nun zum Kernpunkt dieser Ausführungen: Das Weizen der Bacchusbräu (hier mehr dazu, oder besser weniger...) Im Glas tritt das Weißbier unscheinbar auf, macht nicht viel verkehrt, ist aber wohl etwas zu hell und zu wenig trüb. Der Geruch macht Sorgen, da es an Probanden aus der Test-Reihe erinnert, die weniger gut abgeschnitten haben. Der Bacchusbräu verfügt übrigens über eigene Bierdeckel, nicht aber über eigene Gäser, was den ersten Eindruck aber nur unwesentlich schmälert.

Es ist noch früh am Tag, kaum Mittag vorüber, aber da das Weißbier schon einmal bestellt ist, da kann ich es auch seiner ursprünglichsten Bestimmung zuführen und trinke einen unfangreichen ersten Schluck. Dieser weiß nicht zur Gänze zu gefallen, obwohl ich sehr durstig bin. Irgendetwas ist nicht im Plus-Spektrum meines Geschmacksbereichs. Da ich mich natürlich nicht schrecken lasse, trinke ich ruhigen Herzens langsam weiter und siehe da - es wird. Jetzt weiß ich auch, was mich im ersten Moment prellte. Das Weizen schmeckte gar zu fruchtig, gar zu neu, als fehlte es ihm etwas an Reife und Vollmundigkeit, Das, was ich sonst so gerne suche, ist hier eher nicht zu finden. Und da es sicherlich nicht in Flaschen reift, mangelt es ihm auch an dem bekannten Typikum der Flaschengärung. Dies unterscheidet es von den großen Namen, deren Produkte ich im Laufe meiner Tester-Karriere schon probieren konnte, macht es aber nicht zu einem Verlierer. Es bedarf der kurzen Gewöhnung, dann macht das Bacchus-Weizen durchaus Freude. Für mich ist es nach dem letzten Schluck einer der Gewinner des Tages.

Fazit: Ich glaube, das Weizen der Bacchusbräu wird nicht jedermann in Verzücken versetzen. Mir hat es mit seiner Fruchtigkeit und Süße durchaus gemundet, wenn es auch zu Beginn erschlägt. Jeder weitere Schluck aber lässt den Genießer sich erholen und gerne ein zweites bestellen. Dies war mir verwehrt und wenn ich sage: "Leider!", dann ist dies doch Wertung genug.